Das ist ein Auszug aus dem Avalon Roman. Ein kleines Crossover zwischen Valongatu und einem anderen Scifi Kosmos.
http://www.wunderwaldverlag.de/Titel/Avalon_Xanadu.htm
Die Zeit verging und Simna stellte fest, dass sie nichts zu tun brauchte. Die Gesellschaft von Xanadu organisierte sich selbst. Es gab keine nennenswerten Meinungsverschiedenheiten und die Bewohner
erfanden Erfüllung durch die Dinge die sie schufen. Zu anfangst hatte Simna ihre Freude daran zu sehen wie sich alles scheinbar von selbst ordnete, dann aber fühlte sie sich mehr und mehr unnütz
und überflüssig. Ihr wurde langweilig und sie rief ein Bauprogramm ins Leben, das zum Ziel hatte Städte und Dörfer miteinander zu verbinden. Zu anfangs zeigten die Xanadaer grosse Begeisterung,
aber da die Pläne zu überdimensioniert waren und das bereits Erreichte allein schon genügte um jedermanns Bedürfnisse zu erfüllen, ebbte die Begeisterung bald wieder ab. Man widmete sich wieder den
persönlichen Belangen und den Notwendigkeiten im unmittelbaren und näheren Umfeld.
Simna hatte sich auf einem Vorläufer des Mathurugebirges einen Palast errichten lassen, von wo aus sie über das Land Kamuri blicken konnte. Auf einer der vielen Terrassen, unter üppig wachsenden
Bäumen, spazierte die junge Frau zu ihrem gewohnten Aussichtspunkt. Auf einer steinernen Bank, unter einer ausladenden Eiche nahm Simna platz und liess ihren Blick über die hügelige,
sonnenbeschienene Landschaft schweifen. Sie sah Felder, die gerade abgeerntet wurden und kleine Dörfer, die sich in flache Talmuden, oder an sanfte Hügelkuppen schmiegten. In der Ferne konnte sie
gerade noch eine breite Bucht erkennen und weisse Segelschiffe die aufs Meer hinaus fuhren.
Simna wendete sich dem kleinen Buch zu, in dem sie gerade gelesen hatte, als die Manifestation des Seelenankers erschien.
„Was willst du?“ knurrte Simna.
„Die Frage ist, was wollen Alva und Mythma?“
„Haben sie Hunger?“ Simna sah die lichte Oponigestalt nicht an, sondern widmete sich den Versen des Dichters Lu Patrin. Einem der angesehensten Gelehrten und Künstlers, der vor einigen Jahren auch
aus Valongatu hierher nach Xanadu gekommen war „Soll ich ihnen ihr Fläschchen geben?“
Die Oponi überhörte Simnas Spott.
„Die Frage ist eher, ob du ihnen überhaupt geben kannst was sie brauchen?“
„Ob ich ihnen...“ Simna fuhr hoch. Das durchscheinende Oponigesicht zeigte keine Regung. In den zwanzig Jahren, die Simna nun hier auf Xanadu lebte war sie kaum gealtert. Ihr Körper war der einer
jungen Frau, die sich gerade dem zwanzigsten Lebensjahr näherte. Durch tägliches Training besaß Simna eine stolze, kraftvolle Haltung, die man auch unter ihren schwarzen Kleidern deutlich erkennen
konnte. Schlanke, kräftige Finger umklammerten das kleine Buch des Dichters aus Valongatu, bis die Knöchel weiss hervortraten. In Simnas blauen Augen funkelte es zornig. „Sie sollen nehmen was ich
ihnen gebe.“ protestierte die junge Frau „Es ist mehr Energie als alle anderen Seelenanker zusammen produzieren.“
„Ein Bauer würde es in etwa so ausdrücken“, antwortete die Oponi „Es gibt einen Unterschied zwischen Milch und Sahne.“
„Ich habe es wohl mit Babies zu tun.“ murrte Simna.
„Du weißt genau was ich meine“, auch jetzt klang die Stimme nicht streng, oder zurechtweisend. Es lag kein Ärger darin. Simna aber vermisste genau diesen Aspekt in der Unterhaltung. Sie sehnte sich
nach einer Auseinandersetzung.
„Deine Anwesenheit auf dem Seelenanker ist notwendig.“ fuhr die Oponigestalt fort.
„Ich bin dort.“ antwortete Simna schroff.
„Eine empfindungslose Hülle lehnt seit Monaten an einem Balori im Zentrum des Seelenankers. Deine Projektion ist hier im Palast.“
„Ich bin gerne hier“, sagte Simna „Hier unter den Bäumen.“
Die Manifestation verschwand.
Simna warf noch einen letzten Blick auf die sommerliche Landschaft, auf den blauen Himmel, genoss den kühlen Schatten unter den Zweigen der Eiche und sog die würzige Luft in ihre Nase. Dann liess
sie sich fallen und war zurück im Seelenanker.
Sie schwankte und fiel gegen das goldenen, würfelförmige Balori. Sie fühlte das kalte Metall an ihrer Stirn und seufzte. Der lange Ausflug hatte sie tatsächlich geschwächt. Zurück in ihrem
wirklichen Körper überkam sie eine so tiefe Erschöpfung, als hätte sie Nächte lang nicht geschlafen. Nur mit Mühe löste sie sich von dem metallenen Quader.