Hier eine Kostprobe aus dem Crossover:
Acelor Revine
Die Grosse Stadt Acelor Revine war längst fertiggestellt. Und wie Pjoso es vorausgesagt hatte musste sie ständig Instand gehalten und versorgt werden. Rund um die Uhr wurde hart gearbeitet und es
blieb nur wenig Zeit sich zu entspannen oder Zerstreuung zu finden. Und als ob es damit nicht genug gewesen wäre entstand gleich in der Nähe eine Weitere Stadt mit Namen Maxima, die noch grösser
werden sollte als Acelor Revine. Darüber hinaus befand sich ein gewaltigerer Komplex in Arbeit, der Omnia heissen würde und sowohl Acelor Revine als auch Maxima umfassen und alles zu einer einzigen
riesigen Einheit verschmelzen sollte.
Aus dieser riesigen Baustelle führte ein breiter Kanal hinaus, der sich unzählige Kilometer, schnurgerade durch das Land in Richtung Meer zog.
Es war tief in der Nacht, noch einige Stunden vor Morgengrauen, als zwei Gestalten an seinem künstlichen Ufer entlangliefen. Die verblassenden Sterne blinkten gleichgültig und kühl auf die Beiden
herab. Das hohe Gras umschlang die Knöchel der Männer und hinderte sie am Laufen.
Es war kalt und aus den Wäldern, zu beiden Seiten der Uferböschung, kroch Nebel heran. Er legte sich in winzigen Tröpfchen auf die Haare, durchtränkte die Kleider und zog die Wärme schnell aus den
Körpern der Fliehenden
„Ich muss ausruhen“, keuchte Alex ben Zoray „Ich bin total am Ende.“
„Nicht jetzt“, wendete Zim Peblis ein und deutete auf die nahen Lichter der Stadt „Wir sind noch nicht weit genug entfernt.“
„Nur eine kleine Pause.“ beharrte Alex.
Zim gefiel diese Unterbrechung überhaupt nicht, aber er konnte den jungen Mann auch nicht alleine lassen. „In Ordnung“, sagte er keuchend „Zehn Minuten, dann aber weiter bis die Sonne aufgeht.“
Alex nickte. „Ich hab gehört,“ sagte er „dass das Land um den Kanal herum zum größten Teil entvölkert ist.“
„Das stimmt“, antwortete Zim „ich hab mich mit den Leuten unterhalten, die von hier fort gebracht wurden. Als der Kanal gebaut wurde gab es unter den Siedlern kritische Bemerkungen. Simna hat sie
gleich nach Revine geschickt und gemeint sie damit zum Schweigen zu bringen.“
„Simna hat damit bestimmt nichts zu tun.“ verteidigte sie Alex „Die machen das doch alles ohne ihr Wissen. Matriss und die Anderen.“
„Nein!“ widersprach Zim ernst „Sie befolgen alle nur ihre Befehle.“
„Hat dir das der alte Pjoso gesteckt?“
„Ja, das und noch viel mehr.“
„Und wenn er dich belogen hat?“
„Das hat er nicht.“ sagte Zim „Er hat Simna verlassen und versteckt sich jetzt in einer Siedlung am Ende des Kanals. Aber wir sollten uns beeilen. Um die Stadt schleichen die Valküren. Mischwesen,
die Flüchtende wie uns einfangen.“
„Was ist das für ein Märchen?“ Alex schüttelte den Kopf „Hat dir das auch dieser Pjoso erzählt?“
„Ja.“
Alex schien einem Lachanfall nahe. „Was treibt dieser Pjoso noch so alles, ausser Geschichten zu erzählen und den Leuten Angst zu machen?“
„Ich kann dir nicht alles erzählen“, sagte Zim „aber er ist mit vielen Dingen beschäftigt um diesem Treiben hier ein Ende zu machen.“
„Gut dass du mir nicht alles erzählt hast.“ Alex sah seinen Freund ernst an „Sonst wäre ich nicht mitgekommen.“
In diesem Moment knackten einige Zweige im nahen Waldrand. Reflexartig spähten die beiden Männer zum Wald hinüber. Zuerst war nichts zu sehen, dann aber glaubte Alex ein Glitzern zu erkennen, als
starre ihn ein Raubtier aus dem Dickicht an. Er rieb sich die Augen und als er wieder hinsah, war das Glimmen verschwunden.
„Machen wir dass wir weiterkommen.“ flüsterte Alex.
Zim antwortete mit einem kurzen Nicken und begann zu laufen.
Die Beiden Männer rannten weiter den Kanal entlang und warfen immer wieder Blicke zum dunklen Waldrand hinüber, der wie eine schwarze Wand hinter einem schmalen Grünstreifen emporragte. Darüber
breitete sich der Morgenhimmel aus. Nur noch wenige helle Gestirne leuchteten darin. Das samtene Schwarz des Alls war einem hellen Blau gewichen. Die Nacht war vorüber und Alex atmete auf. Er hatte
sich an das Laufen und die Anstrengung gewöhnt und je heller es wurde, umso grösser wurde seine Zuversicht. Sie würden es schaffen. Sie waren aus Acelor Revine geflohen.
Die Wipfel der Bäume zeichneten sich schon Scherenschnittartig gegen die helle Dämmerung ab, da glaubte Alex eine Bewegung zwischen den schwarzen Stämmen wahrgenommen zu haben.
„Nicht hinsehen!“ mahnte Zim, der sein Tempo erhöhte „Lauf was du kannst!“
Alex konnte dem Drang nicht widerstehen und spähte wiederholt zum Wald hinüber. Er konnte fünf oder sechs Gestalten erkennen, die halb aufrecht, halb gebückt durch den Wald eilten. Geschickt und
flink sprangen sie über Äste und umgestürzte Bäume, immer auf gleicher Höhe mit Zim und ihm. Unvermittelt jedoch verliessen die Wesen das schützende Dunkel des Waldes und sprangen in mächtigen
Sätzen auf die beiden Menschen zu. Lange helle Mähnen wehten von den Köpfen der Geschöpfe. Die grossen, glühenden Augen fixierten Alex und Zim, Jagdfieber loderte darin. Spitze weisse Fangzähne
schimmerten in geifernden Mäulern. Die Geschöpfe kamen rasch heran und als sie sich auf Alex stürzten, richteten sie sich auf, liefen auf zwei Beinen und sahen dabei auf groteske Weise aus wie
Menschen. Alex schrie auf, als ihn drei der Kreaturen im Lauf packten und brutal zu Boden rissen.
Zim rannte in Panik weiter. Er wusste dass ihn nur noch ein Wunder retten konnte. Ein kurzer Blick zurück. Zwei der Katzenwesen waren nur noch einen Steinwurf weit hinter ihm. Die Glut ihrer Augen
versetzte ihn in Angst. Zim wendete sich entsetzt ab, starrte gebannt nach vorne und lief in Todesangst. So musste sich ein Zebra fühlen, das vor den Löwen floh, aber nichtmehr entkommen konnte,
dachte Zim noch kurz. Und plötzlich waren die Valküren bei ihm, schlugen ihre scharfen Krallen in sein Fleisch und rissen ihn mit der der schieren Wucht ihrer massigen Körper von den Füssen. Für
einen endlosen Moment segelten Jäger und Gejagter durch die Luft. Dann schlug Zim so hart auf, dass ihm die Luft aus den Lungen wich. Er fühlte das feuchte Gras unter sich, die muskulösen Leiber,
die sich mit ihm überschlugen, er spürte ihren keuchenden Atem auf seiner Haut, den Geifer, der ihm ins Gesicht spritzte, wütendes Fauchen und Knurren. Scharfe Zähne gruben sich in seinen Nacken.
Zim bereitete sich auf seinen Tod vor, und es wurde dunkel vor seinen Augen.