Donnerstag, 8. oktober 2009
Der Text beinhaltet die ersten Zeilen eines Fantasyromans, der auf den Baloriwelten Valongatus spielt. Die Bewohner werden von "Göttern" dominiert und zu Kriegen angestachelt (Parallellen zu den
griechischen Mythen sind gewollt). Die Hauptperson ist Atreju (vorläufiger Name. Entlehnt aus der Unendlichen Geschichte, entlehnt aus dem Griechischen...was passen würde).
Also hier der Text:
Die Tage wurden Kürzer, aber noch schien die Sonne heiß vom Himmel, und sandte
ihr Licht durch das goldgefärbte Blätterdach. Im Schatten der Bäume und Felsen lag schon die Kühle des herannahenden Herbstes. Aber noch stemmte sich der Sommer mit aller Macht dagegen. Gelbe
Blätter fielen ab und an von den Zweigen herab und die Hufe seines Pferdes Loy raschelten im Laub, das den Boden bedekte. Die friedliche Ruhe des Waldes tat Atreju gut, der in den letzten Monaten
und Jahren genug Unglück und Leid gesehen hatte, als selbst ein junger Mann ertragen konnte.
Schliesslich erreichte er das Ende des Waldes. Ein böiger Wind wehte über die
Ebene. Er war warm und kündigte Regen an. Atreju sah von der Anhöhe in das weitläufige Tal hinab. Er blickte auf ein Land, das von weiten Grasflächen bedeckt war, in die der Wind ein glänzendes
Muster hauchte, silbrige Wellen darin formte und es zum Rauschen brachte wie ein aufgepeitschtes Meer.
Atreju strich Loy sanft über den Hals und zog sich die Kapuze über den Kopf, als
die ersten, dicken Regentropfen herabfielen. Der Himmel verdüsterte sich und der Wind frischte weiter auf.
Er lenkte Loy den Abhang hinunter, aus dem Schutz des dichten Waldes hinaus, in
dem er sich seit Tagen bewegt hatte und hinein in das offene Land, dass sich schier endlos nach Osten erstreckte. Das hohe Gras machte Loy das Laufen schwer. Kleine Flussläufe und Bäche
plätscherten unter den dichten Halmen und oft musste Loy mit einem beherzten Sprung von einem Ufer zum anderen setzen. Büsche und dornige Sträucher voller Beeren, versperrten ihnen oft den Weg,
aber dennoch war Atreju froh darüber die staubigen, trockenen Wüsten des Südens hinter sich gelassen zu haben. Hier schien es nichts zu geben was ihn beunruhigen müsste. Es gab genügend wilde
Kräuter und Früchte, die er essen konnte und auch die Spuren von Wild konnte Atreju erkennen und verfolgen, sollte er Hunger auf Fleisch verspüren. Das Land war weitgehend unbewohnt und
friedlich. Hier zumindest war es unberührt, zeigte kein Anzeichen von Zivilisation und deren unangenehmen Begleiterscheinungen wie Streit und Hass.
Es war früher Nachmittag, als sie eine flache Anhöhe erklommen hatten und der
Regen endlich nachliess. Die Sonne kam hervor und brannte heiß auf das Land herab. Die Luft roch nach Laub und Gräsern und schien wie rein gewaschen. Atreju entledigte sich des Regenumhangs und
sog den würzigen Duft der Pflanzen, gierig in seine Lungen. Es war eine Mischung aus späht blühenden Blüten, frischem Gras und dem herben Aroma welken Laubes. Atreju fühlte sich gut und
zufrieden. Der Schrecken der vergangenen Monate fiel nun gänzlich von ihm ab. Kriegsgeschrei und Waffenklirren, das seine Ohren für lange Zeit erfüllt hatte, verklang. Die Bilder von Feuer,
Zerstörung und der Anblick Sterbender verblassten.
Atreju liess die letzten Regentropfen über sein Gesicht laufen, als könnten sie
all die Erinnerungen fortwaschen. Verträumt liess er seine Gedanken kreisen und genoss den Sonnenschein auf seiner Haut. Er öffnete die Augen und betrachtete das weite Land etwas genauer. Von der
kleinen Erhebung aus, auf der sie standen, meinte er Wege und Strassen zu erkennen, die sich durch die dichte Vegetation schlängelten. Er liess den Blick weiter schweifen, bis er an etwas hängen
blieb, das ihn beunruhigte. Es war eine kleine, dünne Rauchfahne, die sich wie ein schwarzer Faden über den Horizont zog. Der dunkle Kratzer am blauen Himmel war zu gross für ein Lager oder ein
Kaminfeuer. Möglicherweise hatte der Blitz in eine Waldung eingeschlagen, überlegte Atreju, doch das kurze Unwetter, das über das Land hinweggezogen war, schien im keine Erklärung dafür zu sein,
zumal es das Land dort, wo der Rauch aufstieg, nicht berührt hatte.
Was es auch immer sein mochte, Atrejus Argwohn war geweckt. Ungewollt erwachten
alle Sinne in ihm. Die Sinne eines Kriegers, die ihn alarmierten.